Bericht aus Apulien, 1. Teil

Comenius-Projekt 
7. November bis 21. November 2003 
Acquaviva/Italien – Elku / Polen – Weener / Deutschland

Impressionen von Hasso Rosenthal

Freitag, 7. November 2003 

Von Papenburg nach Düsseldorf 
Um 6.20 Uhr fuhren die deutschen Teilnehmer Agnes Meiß, Michael Letzmann und Hasso Rosenthal gemeinsam von Holthusen ab und trafen auf dem kalten Papenburger Bahnhof die frierenden Schüler Kathrin Goewert und Jörn Battermann mit ihren Eltern. 7.05 Uhr stiegen wir in den Zug und freuten uns, als die Schaffnerin heißen Kaffee brachte. Nach vielen Gesprächen im Abteil kamen wir in Düsseldorf an und checkten uns ein. Damit waren wir das große Gepäck los. Auf dem riesigen, neuen Flughafen tranken wir Kaffe und vertrieben uns unsere Zeit mit Gesprächen. Mir fiel wegen einem frisch operierten Fuß und einer Bänderdehnung das Laufen auf den langen Gängen doch schwer. 

Von Düsseldorf nach Mailand
Im Flugzeug der Air Italia verstauten wir unser Handgepäck und warteten gespannt auf den Start. Nachdem das Flugzeug abgehoben hatte, verlor Kathrin auch schnell ihre Flugangst und sah neugierig auf die kleine Welt unter uns. 

Von Mailand nach Bari
In Mailand überraschte uns der Zoll mit einer Passkontrolle und nach einer Pizza stiegen wir um in den Flieger nach Bari (Puglia). Plötzlich waren wir eine kleine Gruppe von Ausländern im italienischen Binnenland im vollbesetzten Flugzeug. Rasch waren wir in Bari und stellten nach der Landung uns an das Gepäckband. Bei vielen ähnlichen Gepäckstücken ist es nicht so leicht, das eigene heraus zu picken. 

Begrüßung 
Vor der Barriere warteten schon Mario Forenza (Schulleiter), Mariano Iacovazzi (Deutschlehrer) mit Kolleginnen und Kollegen, Eltern und Schülern aus dem Raum Acquaviva auf uns und winkten freundlich, während wir auf das Gepäck warteten. Als wir endlich aus dem Innenbereich kamen, war die Begrüßung sehr herzlich, viele Umarmungen und Anfragen ließen uns schnell warm werden mit unseren Gastgebern. Bald erfuhren wir, dass das Flugzeug mit der polnischen Delegation Verspätung hatte. Deshalb brachten uns einige PKW schon zur Schule. Dort bekamen wir unseren ersten Espresso.  Kurze Zeit später erreichten uns auch die polnischen Gäste: die Lehrer Andrzej Brzozowski (Schulleiter), Jan Ciborowski und Jarek Chmielewski und die Schülerinnen und Schüler Agata Puchalska, Kinga Chojnowsza, Jakub Sobczak,  Maciej Abrycki. Nun konnte die endgültige große Begrüßung im Büro des Schulleiters erfolgen. Doch inzwischen war es 19 Uhr geworden und alle strebten zu einem Ruheplatz. Wir griffen unser Gepäck und wurden ins gemeinsame Hotel „Reggia S. Paolo Albergetto“, die Schüler in die Gastfamilien Simona Soranno (Sannicandro), Catia Porezzia (Acquaviva), Germinario Porecca (Cassano), Maria Lenoci (Acquaviva) und Annalisa Caporusso (Acquaviva) gebracht. Im kleinen Hotel empfing uns die Wirtin Portia und brachte uns zu unseren Zimmern. Wir hatten kleine, gemütliche Zimmer, das Hotel ist neu renoviert.

Erstes gemeinsames Essen
Um 21 Uhr hatten wir unsere Sachen ausgepackt, wurden abgeholt und gingen in das Restaurant „Taverna del Duca“ und lernten im Kreis einiger Kolleginnen und Kollegen der Schule „Istituto Tecnico Commerciale Statale >C. Colamonico<“ den italienischen Wein „Vino rosso provinziale“
und das gemütliche, gemeinsame Essen mit vielen Gängen kennen. Das Essen dauerte fast drei Stunden, war begleitet von vielen Gesprächen und Scherzen, da hatte sich eine Truppe, die sich versteht, getroffen. Nach 24 Uhr und einem langen Tag fielen wir müde in die Betten. 

Samstag, 8. November 2003

Frühstück 
Am zweiten Tag trafen wir uns im Empfangsraum des Hotels, der mit seinen kleinen, runden Tischen auch gleichzeitig Frühstücksraum war. Es gab ein opulentes Frühstück, mit dem man eine Kompanie hätte füttern können. Nach dem Frühstück gingen die Raucher vor die Tür, denn in Italien ist das Rauchen in öffentlich zugänglichen Räumen (auch den Gaststätten und Hotels) verboten. Eine gute Gelegenheit für einen Small Talk. 

Jahrhunderte schauen dich an
Um 11.15 Uhr wurden wir zu einer Stadtführung abgeholt. Zuerst besichtigten wir das Rathaus, das auf dem Fundament eines Kastells aus dem 12. Jahrhundert aufgebaut wurde. Nach seinem normannischen Ursprung ließ es Friedrich II. (Staufer) ausbauen. Im 16. Jahrhundert wurde es von der aus Genua stammenden Fürstenfamilie De Mari renoviert. Der Innenhof ist im Stil der Renaissance gestaltet. Über einer Eingangstuer der Empore verewigte sich das Oberhaupt: „Carolus de Mari“ (Fürst von Acquaviva). Das Herrschaftswappen zeigt einen Adler mit stilisierten Wellen.
Anschließend gingen wir in die Kathedrale von 1594. Über dem Haupttor erkennt man den Stadtheiligen „St. Eustatio“ mit einem Pferd. Das Relief über dem Portal zeigt dazu in der unteren  Ecke einen Steinbock, das Symbol der Christianisierung. Auffällig ist in der oberen Hälfte eine riesige, reich ziselierte Rosette aus Sandstein. Diese Kirchenskulptur aus der Renaissance ist wegen ihrer Schönheit ein Symbol von Acquaviva. In der Kirche fällt die Dreiteilung des Kirchenschiffs auf. Auf der Rückseite ist eine große Orgel mit mehr als 150 Pfeifen. An beiden Seiten des Hauptraumes befinden sich Gemälde der 12 Apostel. Die Kapelle wird vom Chorgestühl wiederum dreigeteilt. An beiden Außenseiten entstehen so zwei Morgengebetskapellen für die Klosterbrüderschaft. Der große Altar ist aus Marmor, das Fürstenhaus von Savoi, das 1860 Italien einigte, spendete den Ausbau der Kirche im 19. Jahrhundert. Im Scantinato (Untergeschoss). Sind mehrere Altäre und mit Namen versehene Gebetbänke. Einmal steht dort ein Marmoraltar für St. Eustatio aus dem Jahr 1747. Ein weiterer sehr reichhaltig verzierter Silberaltar stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die 1,40 m hohe Mittelsäule auf dem silbernen Unterbau ist dreigeteilt und symbolisiert an der Spitze Gott, in der Mitte Maria und an der Basis die Gemeinschaft der Christen. Ein dritter Altar ist der Schutzheiligen der Gemeinde Acquaviva „Madonna di Konstantinopel“ gewidmet. Für die wird jedes Jahr ein fest ausgerichtet. Die Prinzessin von Aragona hat den Altar im 18. Jahrhundert der Kirche geschenkt. Er ist mit Silberplatten belegt und zeigt hinter einer normalerweise verschlossenen Tür das Bild der Madonna. Anschließend wanderten wir weiter durch die Stadt, sahen den zentralen Platz „Piazza Vittorio Emanuele“, der allabendlich der Treffpunkt von Acquaviva von Alt und Jung ist. Wir sahen das alte jüdische Viertel, und das Kloster „Santa Chiara“, das 1861 verstaatlicht wurde. Dessen Kirche ist außen mit Muscheln verziert, dem Symbol der Reinheit. Die Kirche hat an einer Seitenwand des Kirchenschiffs die Skulpturen der Körper der vier Apostel, deren Torso die Kästen mit den Reliquien von vier Heiligen birgt. 

Empfang in der Schule
Nach der Führung hatten wir eine kurze Pause, dann ging es in die Schule. Dort war ein Empfang durch den „Dirigente scolastico Professor Mario Forenza“, das Kollegium und viele Schüler. 
In der Mitte des Mehrfunktionsraumes war ein riesiges Büfett aufgebaut, das in seiner Reichhaltigkeit die regionalen typischen Speisen und Getränke (zubereitet von den netten Kolleginnen und Kollegen) anbot. Nach den Begrüßungsreden durch die Schulleiter Mario Forenza, Andrzej Brzozowski und Michael Letzmann wurden die Gastgeschenke überreicht. Dabei verwies Prof. Forenza darauf, dass wir aus einem Europa der Kulturen ein Europa der Jugend machen müssten. Er glaube an die Notwendigkeit der aktiven Teilnahme der Jugendlichen. Anschließend trat der Chor der Schule auf und sang Beethovens/Schillers „Ode an die Freude“ und Michael Jacksons „We are the world“. Nach der Mahlzeit schloss Prof. Forenza die Veranstaltung mit den Worten: „Wir legen Wert auf eine europäische Gesinnung.“ 
 
 

ITC “COLAMONICO” ACQUAVIVA DELLE FONTI
Projekt COMENIUS 1

Kolleginnen und Kollegen der Projektgruppe aus Acquaviva 

Mariano Iacovazzi
Daniela Cardinale
Anna Petrilli
Antonietta De Palma (war in Rotterdam)
Caterina Piconio
Rosita Giorgio
Maria Arenare

LEHRER, DIE MIT DEN SCHÜLERN ARBEITEN

Nancy Rizzi
Adriano Viespoli
Marcello Valeriano
Maria Laricchia
Domenico Maldarizzi
Roberto Fatiguso
Laura Piragina
Carla Bovio

Schulführung
Prof. Forenza zeigte uns anschließend die Schule ISTITUTO TECNICO COMMERCIALE STATALE "C. COLAMONICO". Sie hat ca. 600 Schüler in 57 Klassen. Die Klassen haben ca. 22-23 Schülerinnen und Schüler. Die Lehrer unterrichten 18 Stunden und müssen zusätzlich eine Stunde in der Woche für Beratung zur Verfügung stellen. Es gibt 6 Unterrichtstage mit 36 Schülerstunden. Der Unterricht ist regulär von 8.10 Uhr bis 13.45 Uhr. Es gibt zwischen den Stunden keine kleine Pausen und nur eine große Pause von 10 Minuten von 10.55 Uhr bis 11.05 Uhr. Nachmittags gibt es zusätzlich Unterrichtsprojekte, die von der EU finanziert werden, z.B. über Tourismus, Warentransport, Theater, Musik ... Diese Kurse werden mit einem benoteten Zertifikat abgeschlossen. Die Schule selbst ist staatlich und wird von der Provinz Bari finanziert.
Die Lehrer bezahlt der Staat. In Planung ist ein Zentrum gemeinsam mit der benachbarten Berufsschule, das zusätzliche kommunale und schulische Dienstleistungen anbieten soll. Dafür wird ein Zuschuss der EU mit Mitteln für benachteiligte Regionen von 700 000 € gewährt. Dazu später mehr.

Die Schülerinnen und Schüler besuchen das Institut 5 Jahre. Sie beginnen mit der zweijährigen Basisbeschulung und trennen sich dann in die Zweige „IGEA“ (Buchhalter) und „MERCURIO“ (Datenverarbeitungskaufmann). In den beiden Grundjahren haben sie die Fächer Italienisch, Geschichte, Englisch, 2. Fremdsprache (Französisch oder Deutsch), Biologie, Mathematik-Informatik, Chemie-Physik-Erdkunde, Betriebswirtschaft, Recht-Ökonomie, Datenverarbeitung, Sport und Religion. In den drei Aufbaujahren kommen im Bereich IGEA die Fächer Steuer-Finanzen und Buchhaltung hinzu und im Bereich MERCURIO Fachmathematik und Fachinformatik.

Mystik am Abend
Nach der Führung ging es ins Hotel. Wir machten uns frisch und um 20 Uhr wurden wir für ein rustikales Essen im Restaurant „La maschera di ferro“ abgeholt. Sofort fiel uns beim Anblick des mit Skeletten, Gruselkabinettassessoires und Rüstungen ausgestatteten Lokals und der mystischen Musik ein, dass Kathrin als Mystik-Fan unbedingt dieses Lokal kennen lernen müsse. Wieder wurde es spät, bis wir angefüllt mit vielen Gesprächen über Schule, Kulturunterschiede (Gestik!!!) und viele Späße in fröhlicher Runde und reichhaltigem Essen in unsere Betten im Hotel fallen konnten. 

Sonntag, 9. November 2003 

Castel del Monte 
8.45 Uhr wurden wir am Piazza John Kennedy mit Pkws abgeholt und zur Schule gebracht. Dort erwartete uns ein Bus, mit dem wir in Richtung Castell del Monte fuhren. Nach der Meinung Prof. Forenzas machte der Busfahrer einen riesigen Umweg. Obwohl mehrere Lehrer auf ihn einredeten, änderte er die Streckenführung nicht, so dass die Fahrt (mit identischem Rückweg) sehr viel länger dauerte als geplant. Das Castel del Monte im Zentrum Apuliens ist eine riesige Burg, die hoch auf dem Berg (del Monte) strategisch sehr günstig liegt. Das Schloss wurde 1250 im Auftrag Friedrich II. erbaut. Die Bauweise war mechanisch mit hand- und fußbetriebenen Kränen usw. 
 

Die baumreiche Landschaft verführte Friedrich II. hier häufig zur Jagd. Er betrieb sie nach arabischer Art mit Falken. Die Burg gehört zum Welt-Kulturerbe und ist eines der bedeutendsten Zeugnisse seiner Zeit. Die Schüler hörten den umfangreichen Erläuterungen der ziemlich schnell sprechenden Führerin aufmerksam zu. Sie erfuhren viel über das mittelalterliche Leben und die Herrschaftsform des Fürsten. Sensationell fanden aber viele anschließend den feuerroten Ferrari, der auf dem Parkplatz vor dem Castel stand. 


Die deutsche Delegation


Gastgeber und Gäste

Weinfest
Nachdem wir uns im Hotel etwas frisch machen konnten, die Innenstadt Acquavivas erkundet hatten, wurden wir von einer netten Lehrergruppe um 20 Uhr zum Weinfest abgeholt. Die Strassen Acquavivas waren voll von Bürgern der Stadt und Touristen, die das Angebot der kostenlosen Weinproben nutzten. Dazu hatten Familien ihre zum Teil sehr alten Weinkeller aufgemacht, so dass man die Fässer und Gerätschaften der örtlichen Weinproduktion (Vino rosso primitivo) besichtigen konnte. Unzählige Stände boten Weinproben und Nahrungsmittel der Region („Panzerotti“) an. Bei mildem Wetter war es ein Erlebnis mediterraner Lebenskultur. Auf dem Weg trafen wir eine Volkstanz- und Musikgruppe, die eine sehr lebendige Tarantella spielte.

Montag, 10. November 2003 

Trullis in Alberobello
Um 9 Uhr trafen wir als Gastlehrergruppe vor der Schule ein und fuhren mit dem gelben Schulbus nach Alberobello, der ‚Hauptstadt der Trullis’. Auch Alberobello gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und Mariano Iacovazzi versprach uns mit Recht erstaunliche Bauwerke. Die Fahrt führte uns bei bedecktem, leicht nieseligem Wetter vorbei an Oliven- und Mandelbaumfarmen. Häufig sahen wir Kakteen mit Früchten, seltener standen Kakteen in den Vorgärten. „Viel Steine gab’s und wenig Brot“, diese Zeilen fielen mir ein, als ich die unendliche Zahl der trocken gemauerten Steinmauern und die vielen steinigen Felder sah. Wie viel Mühe muss es die Bauern dieser Gegend gekostet haben, ihre Ländereien urbar zu machen. In der hügeligen Landschaft stehen die kleinen aus Sandstein gemauerten Gehöfte oft einzeln.

Immer öfter sehen wir im Verlauf der Strecke einsam stehende kleinere Steinhäuser, die früher Landarbeitern und Kleinbauern in der Woche als Unterkunft dienten, da der weite Weg nach Haus nicht lohnte. Einige waren in Rundform trocken gemauert, mit spitz zulaufenden Runddächern aus Steinschindeln. Sie werden Trullis genannt, und sind mit ihren weiß gekalkten Wänden typisch für diese Gegend. Die sehr alte Kulturlandschaft dieser Region weist die Spuren griechischer, römischer, byzantinischer und albanischer Besetzungen auf. Grosse Reklametafeln weisen uns auf das Ziel unserer Reise hin: „Capitale de Trullis“ (Hauptstadt der Trullis). 

Bei der letzten Etappe der Fahrt weisen im Gespräch die italienischen Lehrer darauf hin, wie gut die Kommunikativität unserer Schüler Jörn und Kathrin ist und wie gut sie sich auf englisch unterhalten können. Sie haben sich bestens in die Gastfamilien und den Unterricht eingefügt und erfahren von allen Seiten viel Lob. 

In Alberobello angekommen informiert uns der Stadtführer, dass die Eigenart der Stadt mit seinen 1100 Trullis deshalb entstanden ist, weil im 18. Jahrhundert Fernando von Aragon, der spanische Herrscher des Koenigreichs Neapel, zu dem Apulien gehörte, zwar Land verteilte, um das Gebiet zu kultivieren, doch zur Bedingung machte, dass die Bewohner Häuser nur als Trullis bauten. Der Besitz von Trullis wurde besteuert. Das führte dazu, dass die Bewohner ihre Häuser abrissen, wenn die Steuerinspektoren auftauchten und wieder aufbauten, wenn sie verschwunden waren.
 

Die Mauern sind 0,5 – 3 m dick, bieten den Bewohnern im Sommer und im Winter eine gute Isolation. Aus statischen Gründen müssen die Innensteine in Trapezform geschlagen werden. Alle Trullis haben eine Zisterne, in der das Regenwasser, zugeleitet aus Kanälen, für den täglichen Gebrauch verwendet werden konnte. In einem der Trullis sahen wir eine Ölmühle. Selbst die Kirche „San Antonio“ war in Trullibauweise erstellt. Bemerkenswert ist hier das Altarbild als Lebensbaum, das die biblische Urgeschichte symbolisiert. 

Apulien wurde im 18. Jahrhundert von Frankreich unter den Bourbonen beherrscht. 1797 wurde Alberobello befreit und erhielt die Stadtrechte. 

1. Projektbesprechung
Nach der Rückfahrt hatten wir eine kurze Pause und trafen uns mit Schülern und Kolleginnen und Kollegen um 15 Uhr zur ersten gemeinsamen Projektbesprechung in der Schule. Ziele der zwei tri-nationalen Arbeitsbesprechung sind:

1. Verabschiedung eines Fragebogens zur Evaluation der Einflüsse von internationalen Kontakten. Er soll im Jahresrhythmus eingesetzt werden und besteht aus den Frageformen
- Wissen (knowledge)
- Meinung (opinion)
- Entscheidung (decision)
2. Verabschiedung des Comeniuskalenders fuer die beteiligten Schulen
- Istituto tecnico commerciale statale „C. Colamonico” (Acquaviva-Italien)
- Gimnazjum Nr. 2 W ELKU (Elk-Polen)
- Hauptschule Weener (Weener-Deutschland)
3. Verabschiedung der gemeinsamen Antragsvorlage für das laufende Comeniusprojekt.

In der ersten Sitzung wurde der erste Tagungspunkt abgeschlossen.

Empfang beim Bürgermeister
 Nach der Sitzung gingen wir zurück ins Hotel. Am Internet-Computer in der Rezeption saß
ein Pulk von Kindern mit dem Sohn der Gastwirtin. Stolz berichteten sie davon, dass sie mit ihrer Grundschule ebenfalls Teilnehmer an einem Comeniusprojekt seien.

Abends waren wir zu einem Empfang beim Bürgermeister im Rathaus eingeladen. Beeindruckend war schon die Kulisse: Ein großes, weißes Gewölbe, Marmorboden, an den Seiten eine Ausstellung der Region, ein voller Saal mit Gästen, vorn ein riesiges Podium. Daneben stand ein großes Büfett einerseits und auf der anderen Seite spielten zwei Musiker Melodien der Region mit Gitarre und Schifferklavier. Hinter dem Podium war die Flagge Acquavivas, mit blauem Untergrund, einer goldenen Krone, Hellebardenschleifen und einem großen eingestickten Springbrunnen (Symbol der Stadt-lebendes Wasser), der Schrift ‚Acquaviva del Fonti’. Umgeben war die ca. 1,50 m mal 1 m große Fahne mit goldenen Tressen und einer roten Schleife. Die Veranstaltung wurde eröffnet von der Ansprache durch Schulleiter Mario Forenza, dem eine Rede des Bürgermeisters Francesco Pistillis folgte.
 
 

Die Reden wurden jeweils durch Mariano Iacovazzi und den polnischen Pfarrer Don Andrea übersetzt. Die Schulleiter Andrzej Brzozowski und Michael Letzmann schlossen den Kreis der Begrüßungsreden, Gastgeschenke wurden überreicht. Für viele überraschend stand dann ein 
88 Jahre alter Mann auf, Leiguigli Giocinto. Er hatte als Hausältester einer Altengemeinschaft ein Gedicht für diesen Anlass verfasst und trug ihn der Versammlung vor (Uebersetzung):
„Willkommen mein Bruder, willkommen meine Schwester!
Wir Bürger sind alle zusammen froh, dass ihr gekommen seid.
Sie sind keine Ausländer für uns, weil wir sie lieben!
Unsere Liebe kommt aus vollem Herzen.
Wir wünschen Ihnen, dass der Aufenthalt in Italien
für Sie gut und angenehm wird. 
Sie sollen nie den Aufenthalt in Acquaviva vergessen.
Wir wünschen aus tiefem Herzen und von Gott,
denn Gott ist groß und hilft uns allen.
Gott helfe Ihnen bei dieser Reise.
Wir hoffen, dass Ihnen dieser gemeinsame Abend
In unvergesslicher Erinnerung bleibt.
Wir sind durch Ihren Besuch geehrt.
Der liebe Gott erfüllt uns alle.
Dies sagt ein Freund von Ihnen 
und der Familien in Acquaviva.“
Leiguigli Giocinto

Nach tosendem Applaus trat eine Volkstanzgruppe auf, die auch zwei apulische Lieder vortrug. Anschließend wurden Lehrer und Schüler zum Tanz aufgefordert. Dann wurden wir mit den Köstlichkeiten der Region und dem schon genannten Wein wahrhaft gemästet, um zum Schluss vor dem Tor des Rathauses italienisch-polnisch-deutsche Lieder gemeinsam in den Abendhimmel zu schmettern. Nach diesem reichen Tag sanken alle erschöpft  in die Betten.

Dienstag, 11. November 2003 

Vormittags gingen wir durch Acquaviva, kauften Ansichtskarten und Briefmarken, Agnes holte sich eine Tüte voll verschiedenster Pasta für die Familie. Wir sahen viele kleine Geschäfte, die sich oft hinter unscheinbaren Türen verbargen. Der Schuster, die Schneiderin, der Landmaschinenschlosser oder der Zweiradladen hatten oft ein hofeinfahrtgroßes Geschäft, in dem alles abgewickelt wurde, zu dem jeder hinein schauen konnte. Im Fotogeschäft wurde  ich auf die Feier angesprochen. Man versprach mir, Bilder davon zu entwickeln. Auf den Strassen trafen wir viele Tänzerinnen und Tänzer des vergangenen Abends, die uns freundlich grüßten. 

Um 11 Uhr trafen wir uns zu einer Gästebesprechung, um die Sitzung am Nachmittag vorzubereiten. In der Mittagspause gingen wir in eine „Warme Küche“, in der man das Essen an einer Theke bestellt und nach dem Aufschließen einer unscheinbaren Tür im 1. Stock in einen Speiseraum gehen konnte. Gut schmeckendes, preiswertes Essen. 

Um 15 Uhr trafen wir uns in der Projektgruppe, beschlossen den Projektkalender und die Kolleginnen und Kollegen aus Acquaviva stellten ihre geplanten Aktivitäten vor, wurde vereinbart, dass die Texte auf Deutsch ausgetauscht werden sollen:
- Apulien als Einwanderungsland
- Tagesablauf der Jugendlichen
- Entwicklung der EU
- Landeskunde Italiens/Polens/Deutschlands
- Italienisches Schulsystem und Feiertage
- Geographie und Geschichte Polens
- Provinz Bari
- Hydrogeologische Aspekte im Hügelland um Bari
- Ergebnissicherung mit Word
- Übersetzung ins Englische und Deutsche
- Neu als Vorschlag: Essgewohnheiten-Rezepte
- Neu als Vorschlag: Gestik

Weiter wurde besprochen, dass die Fragebögen im Dezember 2003 das erste Mal eingesetzt werden sollen und dass die Ergebnisse in Englisch ausgetauscht werden sollen. Der Schulleiter Mario Forenza überreichte zwei Bildbände über Puglia. Abschließend wurden die Vorschlagsformulierungen für den neuen Comeniusantrag 2004/2005 besprochen.

Austauschlehrer
Nachmittags setzte ich mich ans Fenster im Hotel, hörte mit dem CD-Player plattdeutsche Lieder von Jan Cornelius, um ein Lied für den Deutschunterricht mit Mariano auszuwählen. Ich entschied mich für das Lied „Toeverland“, das einen guten Eindruck des Lebensgefühls der norddeutschen Küstenbewohner gibt und übersetzte es ins Hochdeutsche für die Schüler. Notierte weitere Ideen für den Deutschunterricht als Austauschlehrer:

- Vorstellung meiner Person auf Italienisch (vorbereitet)
- Geschichte Weeners auf italienisch (vorbereitet)
- Telefongespräch fiktiv auf deutsch
- Bilder aus Weener (vorbereitet)
- Das Lied „Es klappert die Mühle…“ vorstellen und mit den Schülern singen (vorbereitet)
- Eindrücke der 3A über eine deutsche Schülerzeltfahrt (vorbereitet)
- Auswanderung aus dem Rheiderland
- Entwässerung im Rheiderland
- Jugendliche im Rheiderland (Schülerhomepage)
- Ein Brief an Jörn und Kathrin
- Erfahrungsaustausch über die laufenden E-Kontakte
- Italienisches Schulsystem auf deutsch
- Ein Schiff entsteht (PowerPoint-Präsentation)
- Ein Kunststoffdeckel entsteht (PowerPoint-Präsentation)

Aber zuerst gilt natürlich, was die italienischen Kolleginnen und Kollegen sich für mich ausgedacht haben.

Abschiedsabend
Um 21 Uhr trafen wir uns zum Abendessen mit dem Bürgermeister im Restaurant „Villa deifiori“.
Mit dem PKW wurden wir an der Piazza Kennedy abgeholt und bekamen wieder nach der offiziellen Begrüßung durch den Bürgermeister Francesco Pistilli ein großes Essen mit den in Süditalien üblichen vielen Gängen. Fröhlich war wieder das Zusammensein mit der ital. Lehrerprojektgruppe, die zu jedem Scherz aufgelegt ist. Sogar geboßelt wurde mit Brotkugeln auf der Tischdecke, nachdem ich die ostfriesischen Regeln erklärt hatte. Gesprochen wurde englisch.Dann wurden die aktuellen Hits gespielt und unsere und italienische Schüler tanzten mit. Angelo tanzte kongenial vor. 
 
 

Nachdem wir zum Hotel gebracht wurden, wollten wir uns schon Schlafen legen und hörten die Tenöre und Sopranstimmen der italienischen Projektteilnehmer vor dem Fenster singen. Sie wollten mit uns noch einen Zug durch die Gemeinde machen. Wir zogen mit, leider waren alle Lokale geschlossen. Auf dem Piazza Vittorio Emanuele sangen wir „Auf Wiedersehen...“ auf unsere Vorhaben umgedichtet. Dann ging es wirklich ins Bett.
 

Und am nächsten Morgen flogen die Kollegen ab ... Ich blieb hier und war gespannt, was auf mich zukommt....
 

Als Austauschlehrer in Acquqviva
12. bis 21. November 2003

Projektergebnisse im März 2004 der Klassen der HS-Weener