Haupt- und Realschule
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Hamburger Abendblatt

 

Unterricht: Im Land wird eine Kooperation der Schulformen diskutiert, Hanstedt hat sie schon:

Hier lernen Haupt- und Realschüler gemeinsam

In Wahlfächern, Arbeitsgemeinschaften oder im Chor sind die Grenzen aufgehoben. Ein Wechsel von der einen zur anderen Schulart wird erleichtert.

Von Carolin Trümper

Hanstedt -

Haupt- und Realschulen in Niedersachsen sollen künftig stärker kooperieren. Gründe hierfür sind sinkende Schülerzahlen, der Elternwille und Lehrermangel. Am 24. Februar wird Bildungsministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) dem Kabinett dazu einen Vorschlag unterbreiten. Viele Eltern stehen einer solchen Kooperation weiterhin skeptisch gegenüber. Wie gut Haupt- und Realschüler gemeinsam unter einem Dach lernen können, zeigt das Beispiel der integrierten Haupt- und Realschule Hanstedt.

"Guten Morgen, lieber Herr Fenner!" Die Schüler der 7. Hauptschulklasse begrüßen ihren Schulleiter ganz besonders herzlich, als er den Raum betritt. Nebenan lernen Schüler einer achten Realschulklasse alles über "Binome". Die 361 Realschüler und 141 Hauptschüler erhalten schulformbezogenen Unterricht, sie werden nach den Rahmenrichtlinien der jeweiligen Schulform unterrichtet: "Dennoch lernen sie alle unter einem Dach, auf den Fluren sind Klassen nicht nach Schulformen getrennt. Haupt- und Realschüler treffen sich in Arbeitsgemeinschaften, vielen Wahlfächern, dem Chor, den zwei Rockbands oder der Theater-AG.

Sie organisieren zusammen das Internet-Café, die Schülerbücherei, die Homepage oder den Schulgottesdienst", sagt Friedrich Fenner, der seit 1983 Schulleiter in Hanstedt ist. Auf die Gemeinsamkeiten in allen Bereichen wird viel Wert gelegt.

Es gibt einen Schülerrat, in dem sich Haupt- und Realschüler gemeinsam engagieren, für die jüngsten Schüler aus den 5. Klassen übernehmen Haupt- oder Realschüler aus 9. oder 10. Klassen Patenschaften. "Sie sind dann Ansprechpartner für die jüngeren, unternehmen Ausflüge, organisieren etwa Lesenächte", sagt Susanne Graßhoff, stellvertretende Schulleiterin.

"Wenn sich Schüler angenommen fühlen, sind sie leistungsbereiter, offener und engagierter. Und wir nehmen sie so an, wie sie sind", sagt Fenner. So tut dann auch ein Wechsel nicht weh. Wer in der Realschule überfordert scheint, nimmt "Schnupperunterricht" in einer Hauptschulklasse. Die Lehrer beraten Schüler wie Eltern, und kommt es dann zum Wechsel, ist dies ein nahtloser Übergang: "Der Schüler muss dann die Schule nicht wechseln, es ist kein sozialer Makel, es nicht geschafft zu haben. Es ist nur ein Schulform-Wechsel, der für alle Beteiligten leichter zu verkraften ist", sagt Fenner. Und ist der Schüler dann wieder gefestigter, kann er in die Realschulklasse zurückkehren. Auf die Durchlässigkeit beider Schulformen, der Möglichkeit des Wechselns, wird ebenso viel Wert gelegt.

Die 36 Lehrer unterrichten in beiden Schulformen - so können sie Schüler gut einschätzen und Eltern beraten, in welcher Schulform ihr Kind besser aufgehoben ist. Fenner:"In der Bildungsberatung zeigen sich Eltern sehr offen, sie lehnen die Hauptschule für ihr Kind nicht rigoros ab und kommen nicht mit ideologisch gefärbten Argumenten. An unserer Schule haben Eltern eher ein differenzierteres Bild von Haupt- und Realschule."

In Wahlfächern, Arbeitsgemeinschaften oder im Chor sind die Grenzen aufgehoben. Ein Wechsel von der einen zur anderen Schulart wird erleichtert.

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Die Realschulklasse 8b mit ihrem Lehrer Christian Kind (l.) und Schulleiter Friedrich Fenner (3, v.l.)

Hauptschüler der 9. Klasse besuchen zumeist auch noch die 10. Klasse, um den Realschulabschluss oder sogar den Erweiterten Realschulabschluss am Ende der 10. Klasse zu erreichen. "Sie sind dann reifer geworden, in der speziellen Situation der 10. Klasse haben Schüler ein anderes Interesse, sie bemühen sich dann sehr", sagt Fenner. Die Zahlen geben ihm recht: Die Hälfte der Schüler schafft einen Realschulabschluss.

Die Realschüler erreichen nach Klasse 10 ihren Abschluss oder sogar den Erweiterten Realschulabschluss, mit dem sie auf ein Gymnasium wechseln dürfen. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche beginnen sie eine Lehre oder wechseln auf die zweijährige Berufsschule. "Alle Schüler schaffen hier einen qualifizierten Abschluss", sagt Fenner. Sicherlich gibt es auch in Hanstedt den einen oder anderen schwierigen Schüler, aber dies seien Ausnahmen, so der Hansteder Schulleiter.

"Gut für Schüler beider Schulformen ist das Lions-Quest-Programm, das unsere Lehrer mit einer Stunde pro Woche unterrichten", sagt Fenner. Das vom Lions-Club geförderte Schulprojekt stärkt die Sozialkompetenz der Schüler und hilft beim "Erwachsenwerden".

Noch ein Plus der Zusammenlegung beider Schulformen: "Dadurch, dass wir einen Etat für zwei Schulformen verwalten, haben wir ein großes, gut ausgestattetes Angebot an Fachräumen, gerade in den Naturwissenschaften. Dies hilft uns auch bei der Binnendifferenzierung, für individuelle Arbeitsaufträge unterschiedlich begabter Schüler im Unterricht", sagt Frau Graßhoff. "Wichtig ist ein gemeinsames pädagogisches Konzept der Schule, keine spürbare Trennung beider Formen im verbundenen System", sagt Fenner.

erschienen am 18. Februar 2009

So halten es die Bundesländer

In Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Berlin, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind Hauptschulen als eigenständige Schulform abgeschafft oder ihre Abschaffung ist geplant. In den von CDU und FDP regierten Ländern Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gibt es Kooperationen von Haupt- und Realschulen an einzelnen Standorten. Hessen hält am dreigliedrigen Schulsystem mit eigenständigen Hauptschulen fest. In den neuen Bundesländern gibt es die Schulform nicht.

Das sagt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Die GEW kritisiert den Vorstoß der Kultusministerin. "Mit dem Vorstoß der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen will die Ministerin lediglich am dreigliedrigen Schulsystem festhalten, obgleich unter anderem durch die demographische Entwicklung deutlich ist, dass die Menschen zunehmend ein wohnortnahes und komplettes Bildungsangebot wünschen. Das können letztendlich nur Integrierte Gesamtschulen leisten, die auch den Weg zum Abitur bieten", sagt Richard Lauenstein, GEW-Pressesprecher. Gerade in den letzten Wochen habe sich gezeigt, dass Eltern bei Befragungen von Schulträgern eine Integrierte Gesamtschule als Alternative zu einer Haupt- und Realschule bevorzugen. Der Vorsitzende der GEW, Eberhard Brandt, kritisiert daher den Vorstoß der Ministerin. Eltern, die auf die Realschule gesetzt hätten, stellten fest, dass es heute fast unmöglich ist, von der Realschule auf das Gymnasium zu wechseln. "Daher suchen Eltern eine Schule, die vor Ort erreichbar ist, alle Bildungsgänge enthält und den direkten Weg zum Abitur bietet", sagt Eberhardt Brandt.

Das sind die Pläne der Landesregierung

Die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion will auf die sinkende Zahl von Hauptschülern reagieren und die Zusammenarbeit von Haupt- und Realschulen deutlich verstärken. Die Schüler sollen in mehreren Fächern gemeinsam unterrichtet werden. Das kündigte der schulpolitische Experte der CDU-Fraktion Karl-Heinz Klare an. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) erklärte, sie werde dem Kabinett am 24. Februar einen Vorschlag unterbreiten. "Auf alle Fälle wird es zu einer stärkeren Kooperation kommen", sagte sie. Heister-Neumann betonte, die stärkere Zusammenarbeit von Haupt- und Realschule sei kein Abschied vom dreigliedrigen Schulsystem. Weiterhin soll es getrennte Haupt- und Realschulabschlüsse geben, alle Fächer bis auf Mathematik, Englisch und Deutsch sollen künftig gemeinsam unterrichtet werden, so CDU-Experte Klare.

Im vergangenen Jahr haben nur noch rund 14 Prozent ihre Kinder in Niedersachsen zur Hauptschule geschickt, 2007 waren es noch gut 18 Prozent.

Ct

 


































































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